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Link Innovation GmbH

10.02.2009

Kunst-Ausstellung im Kreishaus Hildesheim

Carsten Ugowski führte mit Jean Luc Tissot ein Interview zur Ausstellung "Leben mit HIV" im Hildesheimer Kreishaus. Die Hildesheimer AIDS-Hilfe organisiert diese Ausstellung, Radio Tonkuhle sendete das Interview im Magazin Queerbeet.
 
im regenbogen
aufgestapelt
wasserspiegel
Carsten: Hallo Jean Luc, wie geht es Dir?
 
Jean Luc: Gut, Danke schön. Die Vernissage einer Ausstellung ist immer eine bewegte Zeit. Du musst dir vorstellen, wenn ich meine Bilder, meine Collagen gestalte, bin ich alleine, es ist eine Arbeit mit mir selbst. Hier heute Abend sind aber viele Leute da, die meine Bilder ansehen wollen und über mich reden. Das finde ich sehr bewegend.
 
Carsten: Erzähl uns doch mal, wer Du bist und was Du machst.
 
Jean Luc: Also aufgrund meiner Aids-Infektion bin ich erwerbsunfähig.
Das bedeutet: Ich bekomme eine Rente, die es mir ermöglicht, mich in der Aids- und Schwulenbewegung ehrenamtlich zu engagieren! Und ich habe auch Zeit, Kunst zu machen.
 
Carsten: Wie ist die Idee für diese Bilder entstanden?
 
Jean Luc: Vor 22 Jahren habe ich erfahren, dass ich Aids habe. Ich war schon immer künstlerisch tätig und es lag nah, dass die Kunst mir dabei half, den Schock meines Lebens zu verarbeiten!
1992 habe ich die erste Serie von Bildern über mein Leben mit Aids gemacht, 2007 sind die letzten meiner 80 Collagen entstanden, die ich hier als Impressionen zeige.
 
trompete & co
kaffeemaschine
Carsten: Also sind die Bilder ein Stück von Dir?
 
Jean Luc: In der Tat, sie sind wie meine Kinder.
 
Carsten: Hast Du ein Lieblingsbild? Und wenn ja, welches?
 
Jean Luc: Alle 80 Bilder sind meine Lieblingskinder! Die anderen habe ich nicht ausgestellt.
Aber stellvertretend zeige ich Dir eines von Ihnen. Auf diesem Bild hier habe ich ein Porträt ausgeschnitten und in dem leeren Raum des Kopfes habe ich eine Achterbahn aufgebaut.
Man könnte es so verstehen: Ich mache mich verrückt, ich habe eine Achterbahn im Kopf!
 
Carsten: Hier werden die Bilder ja ausgestellt, kann man sie auch kaufen?
 
Jean Luc: Ja! Die Bilder kosten 90 Euro, davon gehen 40 Euro an die Hildesheimer Aidshilfe.
Das kann ich machen, weil meine ausgestellten Bilder im Format 30x40 keine Unikate sind, sondern digitale Drucke... die Papierversionen meiner Collagen bleiben zu Hause!
 
mitgenommen
Carsten: Gibt es weitere Ausstellungen, sind noch mehr geplant?
 
Jean Luc: Ja, aus einer Einzelausstellung ist dank der Hildesheimer AIDS-Hilfe eine Wanderausstellung geworden, richtig mit Stellwänden und einem Katalog. Jetzt habe ich schon Anfragen aus Osnabrück und Göttingen und werde die Ausstellung bundesweit anbieten.
 
Carsten: Wen willst Du mit Deinen Bildern erreichen?
 
Jean Luc: Im Grunde genommen Alle. Das können zufällige Besucher sein, die hier ins Kreishaus kommen, das können Lehrer mit Ihren Schulklassen sein, einzelne Personen.... ich biete nur eine Projektionsfläche für die Gefühle und die Neugier der Besucher, die sich auf Aids einlassen wollen. Eine ungewöhnliche Art, sich mit diesem Thema auseinander zusetzen... sie gibt keine Ratschläge, zeigt nicht den Zeigefinger, predigt keine Moral... sie bietet „nur“ Bilder als Impressionen aus einem Leben mit Aids. Was du daraus machst, ist deine Sache!
 
Carsten: Ja Jean Luc, dann danke ich Dir, dass Du Dir heute Zeit für uns genommen hast und wünschen Dir alles Gute!
 
© Carsten Ugowski, Redaktion Queerbeet
18 Jahre und positiv — ein Interview
Ausstellung im Kreishaus Hildesheim

Ein bißchen über "Queerbeet"
"Queerbeet" ist Hildesheims erstes und einziges Schwules Magazin, das bei Radio Tonkuhle läuft. Dieser Sender des Land- kreises Hildesheim bietet der bunt gemischten Gruppe Schwuler aus Hildesheim im Alter von 21 bis ende 30 regelmäßig einen Sendeplatz.
 
So kann "Queerbeet" zeigen, dass es auch in Hildesheim Schwule gibt, die ein biss- chen was Bewegen. Neben bunt gemisch- ten Themen gibt es ebenso fest einge- plante News-Blöcke das "Friseurstübchen" und einen Veranstaltungskalender. Ansonsten wird über aktuelle Ereignisse in Hildesheim berichtet wie z.B. über die links erwähnte Ausstellung oder über Lesungen schwuler Literatur…
 
Zusätzlich beschäftigt sich etwa jede zweite Sendung mit dem Thema HIV bzw. der HIV- und AIDS-Prävention. Für diesen Bereich ist hauptsächlich Carsten Ugowski zuständig, der teilweise den Hauptmo- derator als Co-Moderator unterstützt.