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Homestory 2: Zu Hause bei Pierre I., dem amtierenden Schwulen Heidekönig

Kaum kommt man bei Pierre Hellbusch durch die Tür und betritt seine gemütliche 2 1/2 Zimmerwohnung, streichen einem schon seine beiden Katzen Jane und Lilly um die Füße. Und die sind beileibe nicht die einzigen Tiere, die mit dem 27- jährigen die Wohnung teilen. Pierre hat vor ein paar Jahren die "Delmen- horster Welli-Station" gegründet und nimmt Wellensittiche auf, welche von ihren Vorbesitzern abgegeben werden oder entflogen sind. Diese werden dann in gute Hände weitervermittelt.
 
Und das ist nur eins von vielen Hobbys und Talenten, die Pierre versucht, mit seiner zeitintensiven Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Klinikum der Stadt  Delmenhorst unter einen Hut zu bringen.
Er ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf und Filmemacher. Von seiner engagierten Arbeit gerade im Jugendfilmbereich kann man sich auf www.profilma.de  überzeugen. Zurzeit bestimmen neben seiner Ausbildung allerdings die Eventfotografie und die Produktion von Imagefilmen für Firmen seinen Tagesinhalt. Ein Wunder, dass er bei all diesen Aktivitäten noch genügend Zeit für seinen Freund Andrew hat. Die beiden sind seit etwas mehr als einem halben Jahr zusammen und schwer frisch verliebt.
Vor kurzem haben sie beschlossen auch zusammen wohnen zu wollen und so wird Andrew demnächst in Pierres WG einziehen, die dieser sich im Moment noch mit seiner Mitbewohnerin Sabrina teilt. Mutig erscheint dieser Schritt angesichts der Tatsache, dass Pierre erst wenige Wochen von seinem ersten Mann geschieden ist. "Aber mit Andrew sei es die große Liebe, auf den berühmten ersten Blick gewesen", versichert Pierre und so scheint diese Entscheidung für (noch) mehr Nähe nur logisch.
 
 
Während die fünf Sittiche in der Voliere auf dem Balkon lautstark auf sich aufmerksam machen, berichtet Pierre von seiner Vorfreude auf den Führerschein, für den er bald die Fahrprüfung ablegen wird. "Obwohl ich ja eigentlich einen Fahrer habe, zumindest zeitweise!" schmunzelt er. Damit spielt er darauf an, dass er als amtierender schwuler Lüneburger Heidekönig auf den verschiedensten CSDs und Veranstaltungen im Norden im „Dienst-Cabriolet“ durch die Menge chauffiert wird. Seine Amtszeit ist die längste aller bisherigen elf Majestäten, denn Pierre übernahm im Herbst 2010 von heute auf morgen das Amt seines Vorgängers, der nach nur drei Monaten zurückgetreten war. Da der Heidekönig ab 2013 einen neuen Auftraggeber bekommen wird, bisher war es die landesweite Kampagne „hin und wech – Schwule lieben in Niedersachsen“, wird erst nächstes Jahr ein Nachfolger gewählt. So wird diese CSD-Saison eine ganz besondere für den jungen Heidekönig sein, da ihm sein Partner Andrew als Adjutant zur Seite stehen und in seinem Anliegen unterstützen wird. Dazu gehören insbesondere die Forderungen, als schwuler Mann - vollkommen akzeptiert und respektiert - gleichberechtigt in der Gesellschaft leben zu können sowie die Vielfalt schwulen Lebens anerkannt zu wissen.
Diese wichtigen Botschaften richtig zu transportieren, darin hat Pierre ja schon einige Erfahrung, schließlich stand er als Sympathieträger auf diversen CSDs schon im Mittelpunkt des medialen Interesses. Fragt man ihn nach seinen größten Wünschen für die Zukunft, kommt spontan: "Mit Andrew mein Leben teilen!" Auch seine Ausbildung möchte er im kommenden Jahr erfolgreich abschließen.

Und was würde er nie wieder tun? - "Fremdgehen in einer Beziehung!" Natürlich ist dann hier auch gleich die Gegenfrage erlaubt. Was würde er immer wieder machen? - "Aus Liebe heiraten!"

Wer den Heidekönig "live" erleben möchte, hat hierzu auf den norddeutschen CSDs Gelegenheit: Am 16.6. in Oldenburg und am 4.8.in Hamburg. Auch die Parade anlässlich des Kopefestes in Lüneburg Ende September steht fest in seinem Terminplan, genauso sein Auftreten auf Veranstaltungen im Rahmen des Welt-Aids-Tages im Dezember.

© Thorsten Warneke
Homestory 1: Leo I.
Homestory 2: Pierre I.
Homestory 3: Tatjana Taft
Homestory 4: Dietrich

Kampagne 2012: "HOMESTORIES"
In der Reihe "Homestorys" besucht hin und wech – Schwule lieben in Nieder- sachsen Schwule daheim. Egal ob jung, oder vielleicht schon etwas reicher an Jahren, wichtig ist, dass unsere Porträtierten etwas zu erzählen haben.
Hochgefühl, wehmütige Erinnerungen, easy going oder ständige Auseinander- setzung mit der Homosexualität; all' das und noch viel mehr haben wir bei unseren Besuchen in den sehr persönlichen Schilderungen erfahren.

"Homestorys" ist eine Kooperation von "hin und wech" mit dem gaypeople-magazin, wo die Storys in gedruckter Form erscheinen.