Mitte Januar forderte der LuST e.V., der Veranstalter des jährlich in Oldenburg stattfindenden Christopher Street Day in der Region Nordwest, die Familienministerin von der Leyen in einem Brief auf, die Schirmherrschaft des Christival 2008 niederzulegen. Dieser Aufforderung ging ein geplantes Seminar auf dem Christival voraus, in dem es um „Heilung von der Homosexualität“ gehen sollte.
Das Christival 2008 in Bremen sei das (!) christliche Großereignis des Jahres als Kongress junger Menschen. – So stellt es der Veranstalter „Christival e.V.“, ein gemeinnütziger Verein aus evangelischen Kirchen, christlichen Werken und Verbänden, zumindest dar. Unter dem Motto „Jesus bewegt“ solle jungen Christen eine außergewöhnliche Begegnung mit anderen Gläubigen, ein intensiver Austausch, eine Zeit des Lernens und des Gebets ermöglicht werden. Schirmherrin der Veranstaltung ist unsere Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen. Sie betont, dass sie die wertvolle und wertgebundene Arbeit der christlichen Jugendverbände angesichts der vielfältigen Anforderungen der Jugendlichen heutzutage sehr schätze.
Sowohl der Lerngewinn und als auch die wertvolle und wertgebundne Arbeit eines Seminars mit dem Titel „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ erscheinen zumindest nicht nur dem LuST e.V., fraglich. Denn auch der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen Volker Beck hat sich schon kritisch geäußert und Frau von der Leyen ebenfalls den Rücktritt der Schirmherrschaft nahegelegt. Er erwarte „von jeder demokratischen Politikerin und jedem demokratischen Politiker klare Distanz, wenn ein Seminar behindertenfeindlich, antisemitisch, antihomosexuell, rassistisch oder frauenfeindlich ausgerichtet ist“.
Es kann nicht angehen, dass ein Seminar gehalten wird, in dem man jungen Menschen deutlich macht, dass Homosexualität falsch ist oder sie sogar als Sünde und Strafe abtut. Schon der Titel zeigt deutlich die Einstellung zum Thema und ebenso die Aufnahme eines solchen Seminars in den Seminarkatalog dokumentiert die generelle Einstellung des Veranstalters. In dem Seminar solle es um konstruktive Wege aus den homosexuellen Empfindungen und Neigungen gehen, unter denen viele Menschen leiden würden. Man wolle Menschen, für die die Homosexualität nicht mit ihrem Leben vereinbar sei, Wege aufzeigen, die zur Abnahme homosexueller Empfindungen führe. Dass dies im krassen Gegensatz zu modernen Erkenntnissen steht, scheint die Seminarveranstalter wenig zu interessieren, sieht man sich auch ihre weiteren Veröffentlichungen zum Thema an.
Mittlerweile wurde das Seminar abgesagt, weil die öffentliche Diskussion emotional zu hoch geschaukelt sei und man Angst vor unnötiger Kritik habe. In der Absage und der dazu veröffentlichen Presseerklärung wird kein Wort darüber verloren, dass man eingesehen habe, dass die Grundrichtung des Seminars falsch und diskriminierend ist, sondern den Kritikern werden noch Vorwürfe gemacht! Der Christival e.V. sieht sich durch die Diskussion sogar in eine Opferrolle gedrängt, denn das Christival bringe viel positive Impulse für die Jugendarbeit in Deutschland.
Aber schon mit der Planung dieses Seminars zeigt es wohl kaum positive Impulse auf. Und auch wenn es nun nicht mehr stattfindet, bleibt die generelle Einstellung zum Thema Homosexualität bestehen und was noch viel schlimmer ist: zu den homosexuellen Menschen. Man möchte sich die Frage stellen, warum bei den vom Veranstalter gesetzten Zielen dann als Ersatz kein „homo“freundliches Seminar aufgenommen wurde, in dem darüber berichtet wird, dass homosexuelle Menschen ihre „Neigung“ ebenso wie heterosexuelle als Geschenk Gottes erleben, dass auch sie sich von der uneingeschränkten Liebe Gottes angesprochen fühlen dürfen und dass vor Gott alle Menschen gleich sind.
Der LuST e.V. sieht hier die deutliche Aufgabe der Ministerin darin, sich gegen Diskriminierung von Minderheiten zu Wort zu melden und zu positionieren. Es kann nicht angehen, dass eine Ministerin des Bundestages derartige Einstellungen unterstützt. Denn die Diskriminierung beginnt schon im Zulassen einer solchen Einstellung und nicht nur in der Ausführung des Seminars.
Besonders befremdlich erscheint es in diesem Zusammenhang, dass das Festival gerade in Bremen stattfindet - einem von sechs Bundesländern, in dem Homosexuelle den Heterosexuellen vollständig gleichgestellt sind und das zudem das einzige Bundesland ist, das eine Gleichstellung von verpartnerten Beamten vorgenommen hat.
Der LuST e.V. fordert daher klar von der Ministerin, ihre Schirmherrschaft niederzulegen, um ein Zeichen gegen die Diskriminierung zu setzen!
Pressemitteilung des LuST.e.V. vom 24.01.2008